Ohayo Tokyo

Reisen und Laufen habe ich in den letzten Jahren immer verbunden und natürlich fehlt deswegen meine Laufausrüstung auch bei keinem Urlaub und bei keinem Business Trip. Um Geschäft und Spaß optimal verbinden zu können, suche ich mir schon vor der Hotelbuchung die beliebtesten Laufstrecken jeder Stadt. Hilfreich sind hier die Heatmap von Strava aber auch einige Blogs im Internet oder wenn vorhanden die Trainings der Adidas Runners, die auch Angaben zur Streckenführung beinhalten.
In Tokio gibt es nicht viele Möglichkeiten und die knapp 5km Runde um den Kaiserpalast ist die beliebteste und wahrscheinlich meistgenutzte Strecke der Stadt. So wählte ich ein Hotel, dass sowohl in leicht erreichbarer Nähe der Laufrunde war, aber auch eine perfekte Anbindung an UBahn und Bahn hatte, damit die geschäftlichen Termine auch möglichst effektiv abgearbeitet werden können.
Sonntag Mittags war Abflug von Wien und nach zwölf Stunden Flug kamen wir in Tokio an. So ein langer Flug geht schon etwas an die Substanz und in Tokio war es gerade sieben Uhr morgens, auf unserer inneren Uhr jedoch erst bzw. schon Mitternacht. Wie auch Jan Frodeno in seinem Buch geschrieben hatte (die erste Hälfte hab ich beim Hinflug gelesen, die zweite beim Rückflug) sollte man den Anreisetag möglichst verlängern und nicht gleich schlafen gehen. Deswegen fuhren wir mit dem Taxi ins Hotel, duschten und dann ging’s schon ab zum ersten Geschäftstermin. Der zog sich bis zum späten Nachmittag und endete mit einem tollen Abendessen, dass dann aber Gott sei Dank relativ früh zu Ende war und wir bereits um zehn Uhr Ortszeit endlich schlafen konnten.
Nächster Tag war laufen in der Früh angesagt. Ich hab mir auch extra den Trainingsplan von Lissi Niedereder anpassen lassen, damit die Regenerationstage optimal auf die Flugtage gelegt werden. Leider hab ich mich beim Studieren von Google Maps etwas vertan und bin einmal in die falsche Richtung losgelaufen. Somit erreicht in den Park schon bei Halbzeit meines Trainings und konnte nur mehr ein paar Blicke auf die alte Palastmauer werfen. Beeindruckend war nicht nur die Anlage, sondern auch das straffe Regelwerk für Fußgeher, Läufer, Radfahrer und sonstigen Menschen. Ich glaube kaum, dass so etwas in Wien auf irgendeiner Strecke umsetzbar wäre. Lauf 1 war beendet und das Geschäftliche stand wieder am Programm. Viele Termine und ein grandioses Mittagessen im Donpacho Restaurant, das Inspiration für die Kampfszene von Kill Bill füllten den Tag. Abends ging es mit einem lieben Partner nochmals typisch japanisch Essen mit einer ebenfalls großartigen Menüfolge mit sieben oder acht Gängen. Einfach herrlich.
Neuer Tag, neues Glück und mit dem Wissen welche Richtung in nehmen musste ging es wieder los. Hin zum Kaiserpalast und eine Runde mit den vielen anderen Läufern drehen. Wie es die Regel wollte natürlich gegen den Uhrzeigersinn. Die Japaner sind wundervolle Menschen, die so viel Höflichkeit in sich tragen, dass es manchmal schon unheimlich ist. Bei einer Baustelle auf der Strecke standen nicht wie bei uns einfach Schilder oder Absperrungen sonder zwei Bauarbeiter, die freundlich grüßten und die Umleitung mit Handzeichen hervorhoben. Wahnsinn! Da man leider nur um den Palast und nicht durch die Anlage laufen kann, ist die Runde dann doch eher unspektakulär, aber laufen in Tokio ist laufen in Tokio. Auf dem Weg zurück lief ich noch durch ein paar typische Gassen, um noch mehr Ambiente und Gefühl aufnehmen zu können. Eine Stadt am frühen morgen laufend beim Aufwachen erleben zu können ist schon etwas ganz besonderes.
Der Rest des Tages war wieder voller Termin und Abends ging es noch in die Sapporo Beer Station, einer Art japanischem Schweizerhaus mit viel Bier und für japanische Verhältnisse deftigen Speisen. Donnerstag war Rückreise und somit Trainingsfrei, wobei die Anreise zum Flughafen durchaus als Wandertag gezählt werden kann. Von der UBahn bei der Haltestelle Tokyo bis zum Flughafenexpress dauerte es sicher mehr als 20 Minuten, inklusive einigen Treppen auf und ab. Der Rückflug war ruhig und dauerte nur etwas mehr als elf Stunden. Zeit genug um einige Filme zu schauen, Jan Frodenos Buch zu Ende zu lesen und diesen Blogbeitrag zu schreiben.
Mein Tipp nochmals zusammengefasst: Laufstrecken der Stadt im Internet herausfinden und Hotel in der Nähe wählen, da steht diesem Erlebnis nichts im Wege und man kann frisch und munter in die Meetings starten. Wir haben im Hotel S Roppongi gewohnt, einem kleinen aber sehr feinen Designhotel an der Roppongi Dori Avenue. Von dort waren es rund 2km bis zur Laufrunde um den Kaiserpalast und die näherste UBahn Station fünf Minuten entfernt. Tokio ist eine aufregende Stadt, nicht unbedingt zum Laufen geeignet aber wo ein Wille da auch ein Weg und immerhin hat ja auch ein Japaner heuer den Boston Marathon gewonnen.
Bis bald in Wien oder einer anderen Stadt und Hakuna Matata

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